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Braille-Stickerei: Porträt einer Kunststickerin - Eine, die etwas Besonderes eingefädelt hat - BBSB-Inform - 18.09.2017

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

 

Antje Kunze betreibt das Handwerk der Kunststickerei und befindet sich gerade in der Gründungsphase ihres Inklusionsunternehmens „Höhepunkte“, in dem Menschen mit und ohne Behinderung Braille-Stickerei im Design für Alle herstellen sollen. Gabi Schulze besuchte die Kunststickerin in ihrer Werkstatt.

 

 

Soziale Projekte werden meist von Menschen ins Leben gerufen, die Weitblick beweisen, die mutig neues Terrain betreten, die getrieben werden von einer humanen Idee, die sie mit Leidenschaft verwirklichen wollen. Antje Kunze ist so ein Mensch. Die 44-Jährige arbeitet als selbstständige Kunststickerin und bekam 2013 den UNIC-Designpreis für eine spezielle Sticktechnik verliehen, die Brailleschrift auf Textilien bringt, die von blinden Menschen gelesen werden kann.

 

 

Kreativ arbeiten war schon immer Antje Kunzes Wunsch. Nach ihrer zweijährigen Ausbildung als Stickerin sollte sie an die Modefachschule nach Berlin delegiert werden. Doch dann kam die Wende. Die junge Frau musste ihre Ausbildungszeit verlängern, damit ihr Abschluss als Stickerin bundesweit anerkannt wird. „Ich habe drei Jahre in Plauen gelernt und einen Kurs drangehangen und bin danach durch die Republik getingelt, einfach um Gesellenjahre zu sammeln und meinen Meister machen zu können“, erzählt Antje Kunze.

 

 

„Man häuft keine Millionen an …“

 

 

Das Fenster in der Werkstatt des Einfamilienhauses steht offen, so dass man schon von Weitem das Rattern der Stickereimaschinen hört. Die mit unterschiedlich farbigem Garn bestückten Nadeln sausen hoch und runter, um mit tausenden von Stichen ein Bild oder einen Schriftzug entstehen zu lassen. In der Werkstatt stehen zwei moderne Maschinen, die über eine Sticksoftware gesteuert werden. Antje Kunze entwirft die Stickerei zunächst am Rechner, legt die Motive und Muster fest, bestimmt die Farben. Diese Daten werden an die Maschine übertragen. Gleichzeitig wird der zu bestickende Stoff gemeinsam mit einem wasserlöslichen Vlies in einen Rahmen gespannt. Dann kann der Stickvorgang beginnen.

 

„Man häuft keine Millionen an in diesem Beruf“, sagt Antje Kunze. „Aber das Schöne daran ist, am Ende des Tages sieht man, was man geschaffen hat.“ Geld verdient die Stickerin mit Auftragsarbeiten, wie Logos auf Hemden und Caps sticken. Kreativ wird sie, wenn sie selbst Motive für die verschiedensten Textilien entwirft.

 

 

Am Anfang war die Modenschau

 

 

Als Antje Kunze Probleme mit dem Sehen bekam, überlegte sie, was wäre, wenn sie ihr Augenlicht verlieren würde. Sie stickte Fühlbilder und Ornamente. Bei einer Lesung in der DZB traf sie Jennifer Sonntag, die blinde Moderatorin von „selbstbestimmt“ beim MDR-Fernsehen, die gerade gemeinsam mit Modedesignern und dem Fotografen Karsten Hein eine Modenschau mit blinden Models plante. Antje Kunze begeisterte sich für das Projekt und entwickelte hierfür eine spezielle Sticktechnik, so dass Kleider, T-Shirts, Oberhemden und Hosen mit Brailleschrift bestickt werden konnten. Die poetischen Texte stammten meist von den blinden Models selbst. Die Modenschau und die dazugehörige Ausstellung „Die Schönheit der Blinden“ vermittelte zum einen ein selbstbewusstes Bild von blinden Menschen, zum anderen brachte sie blinde und sehende Menschen zusammen, die sich mit den Themen Blindheit, Schönheit und Mode beschäftigten.

 

 

Ein Stipendium reicht nicht aus

 

 

„Ich wollte diesen Gedanken des gemeinsamen Miteinanders fortführen und so wuchs die Idee, ein inklusives Unternehmen zu gründen, das Textilien mit Braille-Bestickung herstellt und in dem sowohl Menschen mit als auch ohne Behinderung arbeiten“, sagt Antje Kunze. Als Gewinnerin eines Wettbewerbs des Social-Impact-Lab Leipzig erhielt sie ein Stipendium, mit dessen Hilfe sie in acht Monaten einen Businessplan für ihr zukünftiges Unternehmen erstellen sollte. Das schien von Anfang an nicht einfach! Für jemanden, der kaum betriebswirtschaftliche Kenntnisse besitzt und neben der eigentlichen Arbeit zusätzlich noch viele Behördengänge erledigen muss, war das in so kurzer Zeit nicht machbar. Dann lief das Stipendium aus. Doch Antje Kunze gab nicht auf. „Für den betriebswirtschaftlichen Part habe ich mir bereits Unterstützung ins Boot geholt. Problem dabei ist nur, dass wir wirklich kämpfen müssen, alles zu finanzieren“, erklärt die Stickerin. Deshalb sucht sie und ihr Team Menschen, die sich für das Projekt und die Produkte interessieren, die die Idee gern weitererzählen und vielleicht sogar mitfinanzieren wollen. Vorstellbar ist auch eine Crowdfunding-Kampagne, mit deren Hilfe Geld für die Entwicklung von Prototypen bzw. die erste Kollektion gesammelt wird.

 

 

Kunststickerei im Design für Alle

 

 

Zu ihrem Team gehören von Anfang an blinde und sehgeschädigte Menschen, die sie unterstützen und beraten. Erste Produkte, wie beispielsweise mit Brailleschrift bestickte Kissen und Tischsets sind fertig. Die Kissenbezüge hat Antje Kunze selbst genäht und mit verschiedenen Sprüchen und Versen bestickt, auf der Vorderseite in Brailleschrift, auf der Rück- bzw. der Innenseite in der Schrift der Sehenden. Die DZB übertrug die Texte in Brailleschrift und lieferte der Kunststickerin die digitalen Daten zur Herstellung der Stickkunst. Entstanden sind Produkte im Design für alle ─ sowohl für Blinde als auch für Sehende ─ ästhetisch, ansprechend und stilvoll!

 

 

Antje Kunze lächelt: „Ich bin keine Sozialpädagogin und keine Politikerin. Ich probiere Inklusion mit meinen Mitteln. Natürlich kostet es viel Anstrengung und nicht jeder Schritt ist ein Schritt vorwärts. Aber ich bin optimistisch. Wir sind schon weiter als vor einem Jahr.“

 

 

Wer mehr über das Projekt erfahren bzw. dieses unterstützen möchte, hier der Kontakt: Telefon: 0341 9260980

 

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Quelle: Newsletter "in puncto DZB 03 2017"

 

 

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