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Taubblinde lassen sich nicht abwimmeln - Woche des Sehens startet heute

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

rund 700 Menschen demonstrierten am Freitag in Berlin weltweit erstmals für
die Rechte taubblinder Menschen. Darüber berichtete DBSV-direkt noch am
selben Tag: In andächtiger Stille und an symbolische Eisenkugeln
gekettet, zogen sie vom Reichstag zum Potsdamer Platz und forderten, dass
die Isolation taubblinder Menschen mit den dringend nötigen Hilfen
aufgebrochen wird.

 

Um auch ohne Hör- und Sehvermögen ein menschenwürdiges Leben führen zu
können, brauchen Taubblinde Persönliche Assistenz, Dolmetschung,
Reha-Angebote und
Hilfsmittel. Ein spezielles Merkzeichen im Behindertenausweis würde es
erleichtern, solche Hilfen zu bekommen. Die werden den Betroffenen bisher
weitgehend versagt.

 

Zusammen mit ihren Forderungen übergaben taubblinde Menschen eine Eisenkugel
mit Kette und eine Kerze mit der Aufschrift „Taubblinde in Isolationshaft“
an das Kanzleramt. In einem Brief des Kanzleramtes zur Demo heißt es: „Die
Bundeskanzlerin nimmt die Anliegen und Anregungen taubblinder Menschen sehr
ernst. [...] Mit einem eigenständigen Merkzeichen kann dokumentiert und ein
Bewusstsein geschaffen werden, dass es sich bei Taubblindheit um eine
Behinderung
eigener Art handelt. Auch zu einer besseren Sensibilisierung bei den
Ansprechpartnern in den Behörden wird ein Merkzeichen beitragen. Das
Bundesministerium
für Arbeit und Soziales wird deshalb die Gespräche dazu mit den Ländern
fortsetzen.“

 

Dieter Zelle von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Taubblinden (BAT) sprach
in eindringlichen Gebärden: „Wollen wir weiter gefangen bleiben? Nein, nein,
nein! Wir machen die weltweit erste Taubblindendemonstration. Ist das ein
Grund, stolz zu sein? Nein, es ist eine Blamage! Deutschland ist reich, aber
was Assistenz für uns angeht, sind wir ein Entwicklungsland.“

 

Für Irmgard Reichstein von der Stiftung Taubblind Leben ist es
menschenrechtswidrig, wie taubblinde Menschen in Deutschland leben müssen:
„Wir fordern,
dass der tägliche Verstoß gegen die Grundrechte und gegen die UN-Konvention
zu den Rechten von Menschen mit Behinderung schnellstens abgestellt wird.“

 

Katrin Dinges, die für den DBSV im Gemeinsamen Fachausschuss hörsehbehindert
/ taubblind (GFTB) mitarbeitet, berichtete aus ihrem Alltag: „Ich fühle mich
ausgeschlossen, weil Taubblindheit praktisch nicht bekannt ist. In anderen
Ländern ist längst anerkannt, dass ich auch mit geringem Hörrest schon
Bedarf wie eine Taubblinde habe. Hier werde ich aber meist nur als Blinde
behandelt.“

 

Die Präsidentin der Europäischen Taubblindenunion, Sanja Tarcazay, kam extra
aus Kroatien und rief den Teilnehmern zu: „Ihr seid nicht allein! Sogar in
Kroatien bekommen wir Persönliche Assistenz. Das muss in Deutschland auch so
werden.“

 

Bisher ist die Einführung des Merkzeichens an bürokratischen und
parteipolitischen Hürden gescheitert. Mit der heutigen Demonstration haben
taubblinde Menschen gezeigt, dass sie sich nicht abwimmeln lassen, dass die Politik
weiter gefordert ist und handeln muss.

 

Wie erwartet war die Medienresonanz groß. Im ZDF-Morgenmagazin vom 4.
Oktober gab es „Taubblinde demonstrieren für mehr Rechte":
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/446#/beitrag/einze
lsendung/1999030/Morgenmagazin-vom-4-Oktober-2013

Die rbb-Abendschau vom 4. Oktober Berichtete über die Demo und brachte ein
Porträt des taubblinden Georg Cloerkes:
http://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/20131004_1930.html
 
Mehrfach berichteten dpa, Evangelischer Pressedienst, Tagesspiegel, taz,
BILD Berlin, BZ-Berlin, Die Welt, Berliner Morgenpost, Hamburger Abendblatt,
Märkische Oderzeitung, Ophthalmologische Nachrichten, Neues Deutschland,
Junge Welt, und Kobinet.

 

 

Heute startet die Woche des Sehens. Das Wichtigste in Kürze entnehmen Sie
bitte der folgenden Pressemitteilung, die uns über DBSV-direkt erreichte:

 

Berlin, im Oktober 2013. „Einblick gewinnen!“, heißt es während der
diesjährigen Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober. Dazu ruft auch die
Schirmherrin der Aufklärungskampagne auf, Fernsehjournalistin Gundula Gause.
Sie unterstützt damit die Arbeit der Augenärzte, Selbsthilfeorganisationen
und internationalen Hilfswerke. Diese machen mit der Aktionswoche bereits
zum zwölften Mal auf die Bedeutung guten Sehvermögens, die Ursachen
vermeidbarer Blindheit und die Lage blinder und sehbehinderter Menschen in
Deutschland und den ärmsten Ländern der Welt aufmerksam.

„Aufklärung ist wichtig“
„Einblick gewinnen“! meint, dass sich jeder selbst mit Sehen und
Sehbehinderung auseinandersetzen sollte, sich informieren, aber auch selbst
aktiv werden sollte“, erklärt Gundula Gause das Motto der diesjährigen
Kampagne und macht damit deutlich, wie wichtig neben der Aufklärungsarbeit
die Eigenverantwortung jedes Einzelnen bei diesem Thema ist. Es geht aber
nicht nur um die eigene Vorsorge. Aufschlussreich kann es auch sein, sich
selbst in die Lage eines Menschen mit Sehbehinderung zu versetzen. Dazu
besteht bei vielen Veranstaltungen zur Woche des Sehens im gesamten
Bundesgebiet Gelegenheit. Gegenstände nur mit Hilfe des Tastsinns zu
erkennen oder mit einem Langstock und durch eine Simulationsbrille
vorübergehend sehbehindert einen Parcours zu bewältigen, wird dabei zur
Herausforderung.

Spielerisch Wissen erweitern
Dass Aufklärungsarbeit zum Thema Sehen und Sehbehinderung nicht trocken sein
muss, beweist die Aktionswoche auch auf ihrer Internetseite
www.woche-des-sehens.de. Hier finden Interessierte zum Start der Woche am 8.
Oktober eine Unterseite mit optischen Phänomenen sowie ein Wissensquiz zum
Thema.

 

Höhepunkte im Verlauf der Kampagne sind die beiden internationalen
Aktionstage „Welttag des Sehens“ am 10. Oktober, der auf die weltweite
Initiative „VISION 2020 – das Recht auf Augenlicht“ hinweist, sowie der
„Internationale Tag des weißen Stocks“ der Vereinten Nationen am 15.
Oktober, an dem seit 1969 blinde Menschen auf ihre Möglichkeiten und
Probleme in der Gesellschaft aufmerksam machen.

 

Die Partner der Woche des Sehens
Getragen wird die Aktionswoche von der Christoffel-Blindenmission, dem
Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der
Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen
Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und
Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland.

Unterstützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch und der Carl
Zeiss Meditec AG.

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.woche-des-sehens.de oder
www.facebook.com/WochedesSehens

 

Gundula Gause im „Gegenwart“-Interview
Sie gibt der Woche des Sehens ihre Stimme, ihr Gesicht und ihren Namen. In
der Oktober-Ausgabe der „Gegenwart“ spricht Gundula Gause über ihr
Engagement als Schirmherrin, über die Kraft der Bilder und Experimente mit
der Simulationsbrille. Haben Sie Interesse an dem Verbandsmagazin des DBSV?
Dann fordern Sie ein Probeexemplar an: DBSV-Zeitschriftenverlag, Petra
Wolff, Tel.: 0 30 / 28 53 87-220, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die
Verbandszeitschrift des DBSV erscheint monatlich in drei Formaten: Print,
Punktschrift und DAISY (auf der CD „DBSV-Inform“).

 

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