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Tag des weißen Stockes - Sehverlust muss nicht zum Arbeitsplatzverlust führen - Position der Bayerischen Sozialministerin und der Landesvorsitzenden des BBSB - BBSB-Inform - 15.10.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Zum „Tag des weißen Stockes“ der Vereinten Nationen am 15. Oktober veröffentlichen die drei größten deutschen Selbsthilfeorganisationen blinder und sehbehinderter Menschen Tipps für betroffene Arbeitnehmer.
Bayerns neue Sozialministerin Emilia Müller positioniert sich. Anknüpfungspunkte sind das für die Landesvorsitzende des BBSB, Judith Faltl, mit der die Redaktion von BBSB-Inform sprach.

 

 

Sehverlust muss nicht zum Arbeitsplatzverlust führen - Tipps für betroffene Arbeitnehmer
1. Gehen Sie zum Augenarzt und zur Sehhilfen-Beratung! Es gilt festzustellen, worauf der Sehverlust zurückzuführen ist. Dann kann in der Regel prognostiziert werden, wie sich das Sehvermögen im Weiteren entwickeln wird. In einer Sehhilfen-Beratung wird untersucht, wie die vorhandene Sehkraft optimal genutzt werden kann. Optische Hilfsmittel von der elektronischen Lupe bis zum Bildschirmlesegerät können die Situation entscheidend verbessern.
2. Klären Sie, ob eine Sehbehinderung im Sinne des Gesetzes vorliegt! Das ist bei einem Sehvermögen von weniger als 30 Prozent der Fall. Dann sollte schnellstmöglich ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden. Denn er eröffnet den Zugang zum staatlichen Unterstützungssystem.
3. Überprüfen und optimieren Sie gegebenenfalls Ihre Arbeitstechniken! Was geschrieben steht, kann per Scanner und PC hörbar gemacht werden. Ein Computer ist sogar blind bedienbar, wenn man weiß wie. Es braucht Zeit und einiges an Übung, doch Technik und das nötige Know-how bringen zumeist die Arbeitsfähigkeit zurück.
4. Informieren Sie sich und Ihren (künftigen) Arbeitgeber über staatliche Hilfen! Die Palette reicht von Gehaltszuschüssen über technische und infrastrukturelle Hilfen bis zur persönlichen Arbeitsplatzassistenz. Viele Arbeitgeber kennen die Unterstützungsmöglichkeiten nicht – Sie sind also als „Experte in eigener Sache“ gefragt.
5. Schauen Sie sich gegebenenfalls nach neuen beruflichen Perspektiven um! Wenn Sie Ihren bisherigen Job nicht mehr bewältigen können, sollten Sie wissen, welche Möglichkeiten es gibt.

Spezielle Einrichtungen bieten zahlreiche Aus- und Fortbildungen an. Fragen Sie nicht „Was kann ich noch tun?“, fragen Sie „Was möchte ich tun?“. Blinde und sehbehinderte Menschen arbeiten in ganz unterschiedlichen Berufen.

 

Detaillierte Informationen zu Hilfen, Beispiele gelungener beruflicher Integration und vieles mehr bietet das „Netzwerk berufliche Teilhabe“ auf seiner Internetseite www.ihre-einstellung.de.

 


Bayerns Sozialministerin Müller Positioniert sich. Anknüpfungspunkte für den BBSB sagt Landesvorsitzende Judith Faltl zu BBSB-Inform:
Emilia Müller, Bayerns neue Sozialministerin schreibt in ihrer Pressemitteilung zum heutigen Tag des weißen Stockes folgendes:
„Wir machen uns für blinde und taubblinde Menschen stark!“
„Ob eine Internetseite ohne Vorlesefunktion oder Straßen mit
hoher Bordsteinkante – die Bedürfnisse von Blinden und
sehbehinderten Menschen werden in unserer stark visualisierten
Welt oft nicht mitgedacht. Um ihre Teilhabechancen zu
verbessern, hat Bayern bereits einiges auf den Weg gebracht:
So hat der Freistaat durch sein Behindertengleichstellungsgesetz im Jahr 2003 blinden und
sehbehinderten Menschen erhebliche Erleichterungen verschafft.
Daneben unterstützen wir mit unserem bayerischen Blindengeld
rund 14.600 Personen mit derzeit bis zu 535 Euro monatlich –
allein in 2013 stellen wir hierfür Landesmittel in Höhe von
rund 81 Millionen Euro bereit. Um die erhöhten Bedarfe
taubblinder Menschen besser abzudecken, haben wir dieses Jahr
das monatliche Blindengeld für taubblinde Menschen rückwirkend
zum 1. Januar auf 1070 Euro verdoppelt. Aber auch auf
Bundesebene machen wir uns für Verbesserungen stark, wie
beispielsweise für ein Bundesleistungsgesetz für Menschen mit
Behinderung sowie die Einführung des besonderen Merkzeichens
‚TBL‘ für taubblinde Menschen,“
„Der Abbau von Barrieren ist bei uns ganz oben auf der
Tagesordnung und ein Schwerpunkt unseres bayerischen
Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention.
Wir wollen erreichen, dass Bayern in 10 Jahren komplett
barrierefrei ist. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen,
brauchen wir erhebliche Kraftanstrengungen. Für ein
barrierefreies Bayern müssen alle mit anpacken. Die
Anstrengungen lohnen sich aber, denn von der Barrierefreiheit
profitieren alle: Menschen mit Behinderung, aber auch ältere
Menschen und Familien!“, so die Ministerin abschließend.

 

Judith Faltl, Landesvorsitzende des BBSB sagte zur Redaktion von BBSB-Inform:
"Es ist erfreulich, dass Frau Müller sofort auf den Tag des weißen Stocks reagiert.
Sie stellt die wesentlichen Leistungen des Freistaats Bayern für Blinde, Taubblinde und Sehbehinderte dar.
Die aktuellen Themen der Menschen mit Sehbehinderung, Umsetzung der UN BRK, Bundesleistungsgesetz, Barrierefreiheit, Nachteilsausgleich für hochgradig Sehbehinderte  und Merkzeichen TBL sind schon auf ihrer Todoliste angekommen. Die gemeinsame Arbeit kann also beginnen."

 


Informationen zum Tag des weißen Stockes:
Seit 44 Jahren findet jährlich am 15. Oktober der „Internationale Tag des weißen Stockes“ der Vereinten Nationen statt, an dem blinde Menschen auf ihre Möglichkeiten und Probleme in der Gesellschaft aufmerksam machen. Der Gedenktag geht auf US-Präsident Lyndon B. Johnson zurück, der fünf Jahre zuvor, am 15. Oktober 1964, in einem symbolischen Akt weiße Langstöcke an blinde Menschen übergeben hatte. Seit dem Jahr 2002 ist der 15. Oktober in Deutschland zugleich der Abschlusstag der Woche des Sehens.

 

Ihr BBSb-Inform

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