Up To Date mit dem Rundschreiben 2006

Unser Jugend-Rund­schreiben mit allen wichtigen Terminen für das Jahr 2006 ist da! Zwischen 16 und 35 Jahre alte Vereins­mitglieder erhalten es auto­matisch per Post zuge­sandt. Außer­dem wird es in unserer Mailingliste und  hier auf dieser Seite ver­öffent­licht.

Das Rund­schreiben informiert dich wieder über Veran­staltungen, die wir geplant haben.

Buntes Programm und tolles Wetter in Leipzig

Ein Bericht von Christian Dellert

Unsere Städtereise im Jahr 2005 führte uns vom 29. Oktober bis 1. November in die Sachsenmetropole Leipzig. Acht blinde und sehbehinderte Jugendliche sowie vier sehende Begleiter waren mit dabei.

Nachdem wir am Samstag unsere Unterkunft bezogen hatten, trafen wir uns mit der Jugendgruppe des dortigen Blindenvereins in einem Irish Pub. Bei diesem Abendessen kamen wir schnell ins Gespräch, und es wurde ein langer Abend …

Eine Teilnehmerin versucht sich am XylophonAm nächsten Morgen stand das Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig auf dem Programm. Ein sehr engagierter Musikstudent erläuterte die Geschichte der verschiedenen Instrumentenarten und verdeutlichte seine Ausführungen mit Hörproben und Ausstellungstücken. Abschließend konnten wir im Klangraum selbst gemeinsam Musik machen, was auch den Teilnehmern mit wenig musikalischer Erfahrung viel Spaß bereitet hatJugendlicher haut auf die Pauke.

Nachmittags war der Besuch des Kaffeemuseums „Kaffeebaum“ geplant, was wegen Erkrankung der Museumsführerin leider entfallen musste. Ein Ersatz war glücklicherweise schnell gefunden: Wir begaben uns ins Staatsicherheitsmuseum des Bürgerkomitees Leipzig. Nach der Wende hat dieser Verein einige Räume und Inventar der Bezirksverwaltung übernommen und ein Museum aufgebaut. Die Führerin, die selbst in der DDR aufgewachsen war, erzählte sehr lebhaft und spannend von den Methoden, Tricks und dem Aufbau der Staatssicherheitsbehörde. Da sich das Museum in den ursprünglichen Räumen der Stasi-Dienststelle befindet und diese weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand belassen wurde, herrschte eine ganz besondere, realistisch und zugleich bedrückend wirkende Atmosphäre.

Am Abend trennte sich die Gruppe. Die meisten stürzten sich ins Nachtleben; da unser Hotel sehr zentral an einer Kneipenmeile lag, musste sich niemand mit Fahr- und Stadtplan befassen.

Am Montag trafen wir uns vor dem Bahnhof zu einer Stadtführung, die extra für Blinde angeboten wird. So hatte die Führerin einige Modelle von Gebäuden und einen tastbaren Stadtplan dabei. Wir erfuhren viel über die Messestadt Leipzig, die Bauwerke und Traditionen. Allgemein hatten wir von einer Stadtführung, die als speziell für Blinde beworben wird, aber mehr erwartet.

Nachmittags fuhren wir mit der Straßenbahn zum Völkerschlachtdenkmal. Als wir die unzähligen Stufen zur Halle erklommen hatten, erhielten wir auch dort eine Führung. Wir waren alle von dem Bauwerk sehr fasziniert, vor allem auch von der überwältigenden Akustik, die uns die Führerin mit einem klassischen Musikstück demonstrierte. Zum Abschluss fuhren wir mit dem Aufzug auf eine Aussichtsplattform. Selbst die blinden Teilnehmer erhielten dort einen guten Eindruck von der gewaltigen Höhe des Denkmals.

Abends besuchten wir eine Vorstellung im Kabarett „Academixer“. Die Geschmäcker sind verschieden, aber den meisten hat das teilweise sehr gesellschaftskritische Programm sehr gut gefallen.

Die Teilnehmer bei der PunktschriftbuchherstellungAm Dienstag ging es noch in die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB). Die Einrichtung ist weit mehr als eine Leihbücherei: Punktschriftbücher werden gedruckt, Hörbücher aufgezeichnet und Reliefdarstellungen produziert. In diese drei Bereiche durften wir hineinschauen. Wir waren alle von der enormen Leistungsfähigkeit und dem Angebot der DZB begeistert und verfolgten besonders die Herstellung eines Punktschriftbuches sehr interessiert.

Wie sich in einer Umfrage zeigte, waren alle Teilnehmer sehr zufrieden mit der Städtereise. Organisatorisch hat alles geklappt, und auch das Wetter hat perfekt mitgespielt.

Christian Dellert
Leiter der Freizeit