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Informationen über die Woche des Sehens

Die Woche des Sehens macht seit dem Jahr 2002 mit viel­fältigen Aktionen bundes­weit auf die Bedeu­tung guten Seh­ver­mögens, die Ursachen vermeid­barer Blind­heit sowie die Situation blinder und seh­behin­derter Menschen in Deutsch­land und in den Ent­wick­lungs­ländern auf­merk­sam. Schirm­herrin der Initiative ist die Fern­seh­jour­nalis­tin Gundula Gause.

Getragen wird die Auf­klärungs­kampagne von der Chris­toffel-Blinden­mission, dem Deutschen Blinden- und Seh­behin­derten­verband, dem Berufs­verband der Augen­ärzte, dem Deutschen Komitee zur Ver­hütung von Blind­heit, der Deutschen Ophthal­molo­gischen Gesell­schaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Seh­behin­derten in Studium und Beruf, dem Hilfswerk der Deutschen Lions sowie der PRO RETINA Deutsch­land. Unter­stützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG.

Baye­rischer Blinden- und Seh­behin­derten­bund e.V. (BBSB)

Der BBSB ist die Selbst­hilfe­organi­sation der über 80000 blinden und seh­behin­derten Menschen in Bayern. Er vertritt ihre Inter­essen gegen­über Politik, Wirt­schaft und Öf­fent­lich­keit. Ziel des BBSB ist, blinden und seh­behin­derten Menschen ein selbst­bestimm­tes Leben in der Gemein­schaft zu ermög­lichen. In 10 Beratungs- und Begeg­nungs­zentren bietet der BBSB wohnortnahe Hilfen an — dazu gehören der ambulante Reha-Dienst mit Training in Orientierung und Mobilität sowie selbst­ständiger Haushalts- und Lebens­führung; sozial­rechtliche Beratung, individueller Text­service, berufliche Rehabili­tation, Austausch mit Gleich­betroffenen, Freizeit und Fort­bildung.

Stellen­angebote

Der Baye­rische Blinden- und Seh­behin­derten­bund sucht eine/n

 Mitarbeiter/in des Aufsprachedienstes

 Mitarbeiter/in des Textservices

 Leitung des Fachbereichs Beratung und Rehabilitation

Presse­mitteilung

München, 14. Oktober 2010

Woche des Sehens 2010

Blinde und Sehbehinderte „besichtigten“ S-Bahn-Fahrzeug in München

Um mobil zu sein, sind blinde und seh­behin­derte Menschen auf die Benutzung öffent­licher Verkehrs­mittel angewiesen. Sie müssen Züge, Bus und Tram gefahrlos und barriere­frei benutzen können.

Im Rahmen der neunten bundesweiten Woche des Sehens hatten S-Bahn München und BBSB in Kooperation mit der Münchner Volks­hoch­schule zu einer Sicherheits­schulung in einem eigens dafür bereit­gestellten S-Bahn-Fahrzeug am Gleis 35 am Münchner Haupt­bahnhof eingeladen. Christian Seuß, Landes­geschäfts­führer des BBSB, fasste in seinem Statement wesentliche Aspekte zusammen, die für blinde und seh­behin­derte Fahr­gäste von entscheidender Bedeutung sind. Frank Hole von der S-Bahn München erklärte im Rahmen der Schulung die Hilfs­einrichtungen und den Aufbau der Fahrzeuge und informierte über die Aktivi­täten der Deutschen Bahn, die seh­behin­derten oder blinden Fahrgästen die Reise erleichtern sollen.

1. Akustische Fahrgast-Informationen

Die digital aufgesprochenen Ansagen in den Zügen der S-Bahn München kommen zuverlässig, sind gut verständlich und beinhalten auch die Ausstiegs­seite. Die Fahrgast­informationen an den Halte­stellen der S-Bahn sind noch nicht durchgehend vorhanden; sie kommen teilweise zu spät oder gar nicht und sind gelegentlich schwer verständlich.

Der BBSB erwartet einen zügigen Ausbau des digitalen Fahrgast-Informations­systems, vor allem im Bereich der Stamm­strecke und der Knoten­punkte der Münchner S-Bahn.

Entlang der Stamms­trecke informieren Mit­arbeiter der S-Bahn München über den Zug­verkehr und fertigen die Züge ab. Derzeit sind die Bahn­höfe Ost­bahnhof, Marien­platz, Karlsplatz, München Hauptbahnhof rund um die Uhr und zusätzlich die Stationen Rosenheimer Platz, Isartor, Donners­berger­brücke, Hirsch­garten und Pasing zu den Haupt­verkehrs­zeiten mit Personal besetzt. Bezüglich des weiteren Einsatzes von örtlichem Personal laufen Planungen. Des weiteren arbeitet die Deutsche Bahn kontinuierlich daran, die Fahr­gast­information insgesamt zu verbessern und steht im Kontakt mit dem BBSB.

2. Sprechstelle

Wichtig für die Kommunikation zwischen Fahr­gästen und S-Bahn-Führer ist die Möglich­keit, sich über die Sprechstelle zu verständigen. Für blinde und sehbehin­derte Fahrgäste ist es deshalb zwingend notwendig, dass sie wissen, wo sich diese Informations­stellen befinden und wie sie zu bedienen sind.

Jedes S-Bahn-Fahrzeug ist in den Einstiegs­bereichen mit einer Sprechstelle ausge­stattet. In einem Kurzzug gibt es somit 12 Sprech­stellen (Langzug 24 Sprech­stellen, Vollzug 36 Sprech­stellen). Im Rahmen des Trainings wurden die Teilnehmer mit der Ein­richtung vertraut gemacht.

3. Tür öffnen

Beim Einsteigen am Bahnsteig ist es für blinde oder stark seh­behin­derte Fahr­gäste sehr schwierig, den kleinen Druckknopf an der Außen­seite des Fahrzeugs selbst­ständig zu finden. Notwendig wäre daher eine Tast­leiste, die an der Außen­wand des Fahrzeugs angebracht ist und direkt zum Druck­knopf hin­führt.

Der BBSB hält es für notwendig, dass die S-Bahn-Wagen entsprechend ergänzt werden.

Dies wäre nur dann verzichtbar, wenn alle S-Bahn-Türen bei jedem Halt automatisch geöffnet würden.

Die technische und finanzielle Realisier­barkeit von Tast­leisten wird geprüft.

Das automatische Öffnen aller Türen wäre vor allem in der kalten Jahres­zeit mit Komfort­minderungen für die Fahr­gäste verbunden.

4. Orientierung in der S-Bahn

Es ist für blinde und seh­behin­derte Fahr­gäste wichtig, über die interne Gestaltung des Verkehrs­mittels Bescheid zu wissen wie zum Beispiel über die Anordnung der Sitz­gelegen­heiten (auch des Behinderten­platzes), der Haltestangen, der Sprechstelle, die Funktions­weise der Ein- und Ausstiegs­türen.

Im Rahmen des Trainings konnten die seh­behin­derten und blinden Fahr­gäste „erfahren“, wie ein S-Bahn-Fahrzeug aufgebaut ist und welche Hilfs­einrich­tungen es gibt. So wurden beispiels­weise das sichere Ein- und Aussteigen mit Hilfe der Halte­stangen im Einstiegs­bereich und das Betätigen der Tür­öffner geübt sowie über die Ausstattung der Fahrzeuge mit ausge­wiesenen Sitz­plätzen für mobilitäts­einge­schränkte Fahr­gäste informiert.

5. Lichtschranke und Einklemm­schutz

Es gab schon die Situation, dass der Blinden­stock des Fahr­gastes in die Tür eingeklemmt wurde, der Fahrgast selbst aber nicht mehr in den Wagen ein­treten konnte.

Die blinde Person musste den Stock loslassen und stand ohne das Mobilitäts­hilfs­mittel auf dem Bahnsteig, während der Blinden­stock mit dem Fahrzeug davon­fuhr. Das soll nach den verbesserten Schutz­maß­nahmen nicht mehr passieren können.

Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren über fünf Millionen Euro für den Einbau von so genannten „Licht­gittern“ in die S-Bahn-Fahrzeuge investiert. Der Vorteil dieser Technik besteht darin, dass nicht nur im Bereich einer Licht­schranke Gegen­stände erfasst werden. Das Licht­gitter wirkt vergleichs­weise wie ein „Vorhang“ der den Tür­bereich insgesamt abdeckt.

6. Orientierung am Bahnsteig

Damit sich blinde und stark seh­behin­derte Fahr­gäste selbst­ständig und sicher am Bahnsteig bewegen können, sind tastbare und kontrast­reich gestaltete Leit- und Sicher­heits­streifen erforderlich sowie klare akustische und gut sichtbare optische Informationen direkt vor der Einfahrt des Zuges.

Beim Um- und Neubau von Bahn­steigen ist die Installation von so genannten Blinden­leit­streifen inzwischen Standard. Darüber hinaus soll beispiels­weise am Münchner Hauptbahnhof noch in diesem Jahr ein Projekt mit dem Ziel starten, das bestehende Leit­system zu erneuern beziehungs­weise auszubauen.

7. Rettungs­möglichkeiten

Ein besonderes Risiko für blinde Fahr­gäste sind mögliche Stürze auf den Gleis­körper.

Das örtliche Personal auf den stark frequentierten Tunnel­bahn­höfen der Stamm­strecke kann von der Aufsichts­kanzel aus einen Nothalt bedienen.

Außer­dem bitten Bahn und BBSB Mitreisende, stets ein Auge auf blinde und stark seh­behin­derte Fahr­gäste zu haben und ihnen Hilfe beim Ein- und Aus­steigen anzu­bieten.

Man erkennt sie meist am weißen Blinden­stock, der gelben Armbinde mit drei schwarzen Punkten oder am Blinden­führ­hund im weißen Führ­geschirr.

 

 

Pressekontakt Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB)
Elke Runte
Leitung Bereich Kommunikation
Telefon (0 89) 5 59 88 - 1 32
 elke.runte@bbsb.org

Bei der Reiseplanung helfen
Service-Dialog der S-Bahn München (0 18 05) 66 10 10*
und
Mobilitäts­service­zentrale (0 18 05) 5 12 5 12*
(* 14 ct/Min. aus dem Festnetz, Tarif bei Mobilfunk max. 42 ct/Min.)