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Presse­mitteilung

München, 13. November 2009

Erste MVG-Sicherheits­schulung für blinde und sehbe­hinderte Menschen in München

Nachdem am 10. Juni 2009 eine blinde junge Frau zwischen zwei U-Bahn-Wagen gestürzt und tödlich verun­glückt war, wünschten sich viele Betrof­fene mehr Infor­mationen über die Sicher­heits­vor­kehrungen auf dem Bahn­steig und im Zug. Angst und Unsicher­heit waren groß.

Dies nahmen der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB) — Bezirksgruppe Oberbayern-München — und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zum Anlass, um Sicher­heits­schulungen für blinde und seh­behin­derte Menschen durch­zu­führen.

Am Abend des 19. Oktober fand der erste Schulungs­termin statt. Vier Mit­arbeiter von der MVG und drei freiberuflich tätige Orien­tierungs- und Mobilitäts­trainer waren am U-Bahnhof Olympia­zentrum vor Ort, um die ca. 20 blinden und sehbe­hinderten Personen mit den diversen Sicher­heits­vor­keh­rungen vertraut zu machen. Hierfür wurde extra ein Gleis abgesperrt.

Schulungsteilnehmer im Gleisbett unterhalb des Bahnsteigs

In zwei Gruppen erkundeten die Betrof­fenen die Not­sprech­stelle und die Not­bremse im Zug, erhielten Informa­tionen darüber, dass sich an jedem Bahnsteig mindestens zwei Nothalt­griffe — meist in un­mit­tel­barer Nähe der Info­vitrinen — be­fin­den, und begingen den Gleis­bereich und den Schutz­raum, in den sich jeder, der auf die Gleise stürzt, so Wolfgang Pfützner von der MVG, unbedingt hinein­rollen muss. Das Begehen des Schutz­raumes in Klein­gruppen war für alle Teil­nehmer eine äußerst wichtige, nützliche und wert­volle Erfahrung. Denn wenn man einmal selbst aus­probiert hat, wie viel Platz in dem 70 mal 70 cm großen Schutz­raum ist, der sich unter der gesamten Bahn­steig­kante befindet, kann man sich etwas leichter vorstellen, diesen in Gefahren­situa­tionen auch tatsächlich aufzu­suchen und zu finden.

Auch die Infor­mationen, wo genau sich Schutz­räume befinden, dass die Strom­schienen immer auf der den Schutz­räumen gegen­über­liegenden Gleis­seite sind und wie sich Helfer verhalten sollen, wenn sie einen Unfall bemerken, wurden dankend ange­nommen. Wichtig für Beob­achtende, so Wolfgang Pfützner, sei, keines­falls auf die Gleise zu springen oder zu versuchen, Personen selbst­ständig vom Gleis zu heben oder zu ziehen, sondern sofort den Nothalt am Bahn­steig zu ziehen oder dies zu veran­lassen und das Unfall­opfer auf den Schutz­raum hinzu­weisen. Auch wenn momentan kein Zug im Bahnhof sei, wisse man nie genau, wann einer einfahren könne. Wenn ein Zug am Bahn­steig stehe, sei es auch möglich, zum Beispiel durch das Stehen­bleiben in einer geöffneten Tür die Abfahrt des Zuges zu verhindern. Diese einfache Maß­nahme verschafft Helfern genügend Zeit, um den Nothalt im Zug oder am Bahn­steig zu betätigen und dann den Fahrer über die Not­sprech­stelle im Zug zu verstän­digen.

Für alle blinden, sehbehinderten und sehenden Teil­nehmer war dies ein wichtiger Abend, der bei vielen zu einem sichereren Gefühl beim Bewegen auf dem Bahn­steig beige­tragen hat.

Der Landes­geschäfts­führer des BBSB, Christian Seuß, zeigt sich erfreut über diese wichtige Schulungs­möglichkeit, die die MVG für blinde und sehbe­hinderte Verkehrs­teil­nehmer bietet.

Mit Blick auf den Landtags­beschluss vom 8. Oktober 2009 hebt er hervor: „Der BBSB be­grüßt die Ent­scheidung des Baye­rischen Landtags, mit der die Staats­regierung aufge­fordert ist, ihre Bemühungen um den barriere­freien Zugang blinder und sehbe­hinderter Menschen auch zu öffent­lichen Verkehrs­mitteln fortzu­setzen. Dies schließt natürlich den Sicherheits­aspekt mit ein.“

Die nächsten Termine für Schulungen werden im November durchgeführt. Zukünftig sollen derartige Schulungen in regelmäßigem Turnus angeboten werden.

 

Pressekontakt:

Patricia Formisano
Leiterin des Beratungs- und Begegnungszentrums Oberbayern-München im BBSB
Arnulfstraße 22
80335 München
Telefon (0 89) 5 59 88 - 1 14
Fax (0 89) 5 59 88 - 1 48
E-Mail  patricia.formisano@bbsb.org