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Presse­mitteilung

München, 26. November 2007

Gemeinsam weitersehen

Blinde und sehbehinderte Menschen tagten in Bad Kissingen

Der neu gewählte Vorstand Der neu gewählte Vorstand (von links nach rechts):
Otto Umscheid, Elija Morbach, Dr. Thomas Krämer, Wolfgang Kurzer, Jutta Winter, Frank Nohr (kandidierte nicht mehr), Irmgard Badura, Judith Faltl


Unter dem Motto „Gemeinsam weitersehen!“ fand vom 22. bis 24. November die Landes­tagung des Baye­rischen Blinden- und Seh­behin­derten­bundes e.V. (BBSB) statt. Über 100 Delegierte nahmen an der alle vier Jahre statt­findenden Veran­staltung teil. Nach einem Rück­blick auf die vergangene Wahl­periode bildeten die Aus­richtung und die Aufgaben­stellung für die Zukunft die Kern­themen für dieses höchste Gremium der Selbst­hilfe­organisation.

Nach der Entgegen­nahme des Tätig­keits- und Finanz­berichts von 2003 bis 2006 und der Entlastung des Landes­vorstandes standen die Neuwahlen auf dem Programm.

Mit großer Mehrheit als Landes­vorsitzende wieder gewählt wurden Judith Faltl, 38, Unterhaching, und als stell­vertretender Landes­vorsitzender Wolfgang Kurzer, 45, Nürnberg.

Als Beisitzer wieder gewählt wurden

Neu in den Landes­vorstand gewählt wurde Dr. Thomas Krämer, 37, Nürnberg. Frank Nohr, der bisher dem Landes­vorstand angehört hatte, kandidierte nicht mehr.

 

Berufliche Teilhabe

Die Landestagung fasste den Beschluss, die berufs­bezogene Vereins­arbeit neu zu organisieren und zukunfts­fähiger zu machen. Mit dem neu geschaffenen Forum Arbeit und Beruf will der Verein die Belange blinder und sehbehin­derter Berufs­tätiger und arbeit­suchender Menschen noch gezielter verfolgen.

 

Neue Satzungs­aufgabe „Patienten­vertretung und Patienten­beratung“ fixiert

Eine weitere wichtige Satzungs­änderung betont die Arbeit der Selbst­hilfe­organisation als Patienten­vertretung. Dazu gehören unter anderem die noch engere Zusammen­arbeit mit den Augen­ärzten, noch mehr Informations­veranstaltungen zu bestimmten Augen­erkrankungen und die Vertretung von Patienten­interessen gegenüber Medizin und Pharma­industrie.

 

Resolution „Für ein Seh­behin­derten­geld in Bayern“ verabschiedet

Die Landestagung beschloss, für hochgradig sehbe­hinderte Menschen, die in sechs Bundes­ländern einen behinderungs­bedingten staatlichen Nachteils­aus­gleich erhalten, auch in Bayern einen finanziellen staatlichen Ausgleich zu fordern. In Anlehnung an das vom bayerischen Staat gewährte Blinden­geld wird nun die Forderung erhoben, auch dem Personen­kreis der hochgradig Seh­behin­derten ein Seh­behinder­ten­geld zu gewähren und damit eine bestehende Ver­sorgungs­lücke zu schließen. Eine hochgradige Sehbehin­derung liegt vor, wenn das Seh­vermögen zwischen 2% und 5% auf dem besseren Auge liegt. Bisher müssen seh­behinderte Menschen bestimmte Hilfs­mittel und Unter­stützungs­leistun­gen zur Alltags­bewältigung, die sie aufgrund der Behinderung brauchen, selbst bezahlen.

Zur Umsetzung dieser Forderung wird der BBSB das politische Gespräch su­chen.

 

Arbeitskreise geben Impulse

In vier Arbeitskreisen erörterten die Tagungsteilnehmer Aufgaben für die Zukunft. Sie trafen sich zu folgenden Themen

Auch die Ergebnisse aus diesen Arbeits­gruppen werden die Arbeit der kommenden Jahre prägen. Darüber hinaus wurde beschlossen, eine Konzeption 2020 zu entwickeln, in der die Ziele und Aufgaben für die kommenden Jahre in einer Art Leit­faden schriftlich dokumentiert werden sollen.

 

Ehrungen

Die geehrten Mitglieder Geehrte Mitglieder (von links nach rechts): Richard Ramer, Jutta Winter, Heinz Beier, Albertine Musack, Andreas Schenk und Walter Bannert

Für ihre langjährige ehrenamtliche Arbeit zeichnete die Landes­tagung verdiente Persönlich­keiten aus. Zu Ehren­mit­gliedern des BBSB wurden ernannt: Walter Bannert, Altusried, Albertine Musack, Memmingen und Andreas Schenk, München.

Den Treuering der Organisation erhielten: Heinz Beier, Veits­höch­heim, Richard Ramer, Hallstadt, und Jutta Winter, Erlangen.

 

Gemeinsam weitersehen!

Melanie Huml, Eberhard Schellenberger und Judith Faltl bei der Festveranstaltung Im Bild: Sozialministerin Melanie Huml, Eberhard Schellenberger und Judith Faltl

So lautete auch das Motto der Fest­veran­staltung im Rahmen der Landes­tagung, für die die Bayerische Staats­ministerin für Arbeit und Sozial­ordnung, Familie und Frauen, Christa Stewens die Schirm­herr­schaft über­nommen hatte. Kurzweilig moderierte Eberhard Schellenberger, Bayerischer Rundfunk, das abwechslungs­reiche Programm. Die frisch­gebackene Sozial­staats­sekretärin Melanie Huml betonte in ihrem Grußwort, wie wichtig ihr die Zusammen­arbeit mit dem BBSB ist. Selbst blinde und seh­behinderte Inter­view­gäste berichteten aus ihrem persön­lichen Leben und ihrem Umgang mit der Behin­derung. Auch ein sehendes Eltern­paar mit einem kleinen blinden Jungen kam zu Wort. Mit einem sozial­politischen Statement beendeten die Landes­vorsitzende Judith Faltl und der Landes­geschäfts­führer Christian Seuß den öffent­lichen Teil, zu dem Gäste aus Politik und Gesellschaft nach Bad Kissingen gekommen waren.

Konkret ging es um die Medien­versorgung blinder und seh­behin­derter Menschen. Die Forderungen heißen: Bücher und Zeit­schriften stehen zeitnah in barriere­freier Form zur Verfügung. Erhalt und Weiter­entwicklung der Medien produzierenden Einrich­tungen in Bayern.

Was Bildung und Beruf betrifft, so fordert der BBSB unter anderem ein gesetzliches Wahl­recht der Schule. Also, die Wahl zwischen Regel­schule und Förder­schule. Aus­reichende Förder­stunden beim Besuch einer Regel­schule und das not­wendige sonder­pädagogische Fachwissen an den Förder­zentren.

Bei der Novellierung des Bayerischen Behinderten­gleichstellungs­gesetzes (BayBGG) wird sich der BBSB zu Wort melden und zum Beispiel die gesetzliche Veranke­rung des genannten Wahlrechts für Eltern bei der Schulwahl einfordern.

Der BBSB unterhält in seinen 10 Beratungs­stellen in Bayern ein umfassendes Beratungs- und Reha-Angebot. Dieses Angebot zu erhalten und die Zu­schuss­leistungen des Frei­staates Bayern im Rahmen der Richt­linien zur Förde­rung der offenen Behinderten­arbeit auszubauen, ist ein wichtiges Ziel für den BBSB. Im Laufe der letzten 17 Jahre ist die Eigen­leistung des BBSB bei den Diensten von anfänglich 10% auf mittler­weile 20–25% angestiegen.

Alle angesprochenen Themen haben auch mit unter­schiedlichem Finanzierungs­bedarf zu tun. Faltl und Seuß betonten, dass die jeweiligen Kosten­träger und Finanz­geber hier ihren Verpflichtungen nachkommen müssen.

Musikalisch unterhalten wurden die 270 Gäste vom Musikensemble  Blinde Musiker München.

In Bayern leben rund 17000 blinde Menschen und über 60000 mit einer Seh­behinderung. Mit seinen 10 Beratungs- und Begegnungs­zentren bietet der BBSB wohnortnahe und individuelle Hilfe an. Über die bundesweit einheitliche Rufnummer (0 18 05) 66 64 56 (0,14 €/min) erhalten Betroffene und alle Interes­sierten Rat und Auskunft.

 

 

Elke Runte
Leitung Bereich Kommunikation
Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.