Ein Ratgeber für Eltern blinder, sehbehinderter und mehrfachbehinderter Kinder
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200 Jahre Blindenbildung in Deutschland sind der Anlass für verschiedene Aktionen rund um das Thema „Wie lernen blinde und sehbehinderte Menschen?“ Im Jahr 1806 wurde die erste Blindenschule in Deutschland gegründet, die Johann-August-Zeune-Schule in Berlin.
Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) hatte am 17. Februar sieben blinde Schülerinnen und Schüler des Edith-Stein-Zentrums, Unterschleißheim, und des Adolf-Weber-Gymnasiums, München, zu Gast. Nach einer Vorauswahl waren diese Kinder und Jugendlichen ins Halbfinale gekommen. In der Kategorie I waren die 5. und 6. Klasse vertreten, in der Kategorie II die 7. bis 10. Klasse. (Leider war aus dem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Nürnberg kein Teilnehmer dabei. Hier hatte es Terminschwierigkeiten gegeben.)
Nach einer Vorrunde am Vormittag, in der alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen selbst gewählten Text in Blindenschrift vorlesen mussten, kamen die zwei Besten aus jeder Kategorie in die Finalrunde. Hier galt es eine schwierige Hürde zu überwinden, denn ein unbekannter Text, für den nur 10 Minuten Vorbereitungszeit gewährt wurden, musste vorgelesen werden.
Als es um 14:30 Uhr zur Siegerehrung kam, waren sich alle einig. Es gab nur Gewinner! Jedes Mädchen, jeder
Junge erhielt, auch wenn er oder sie nicht so gut abgeschnitten hatte, einen Preis. Eindeutig fiel das Votum der fachkundig
besetzten Jury bei der Entscheidung für den 1. Platz in jeder Kategorie aus. Maxi Frank vom Adolf-Weber-Gymnasium
erhielt als Siegerin der Kategorie I ein Blindenschriftbuch und ein Hörbuch.
Die Siegerin der Kategorie II,
Ann-Kathrin Modest vom Edith-Stein-Zentrum, erhielt ebenfalls ein spannendes Buch in Blindenschrift und noch ein Hörbuch
obendrein.
Stadträtin Angelika Gebhardt, die in Vertretung von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude gemeinsam
mit Judith Faltl, der Landesvorsitzenden des BBSB, die Jungen und Mädchen ehrte, war sichtlich erfreut angesichts
der überzeugenden Leistungen: „Ich bin sehr beeindruckt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man Blindenschrift
so gut und flüssig lesen kann.“
Die schönen Buchpreise kommen aus dem
BIT-Zentrum des BBSB. Hier werden
Bücher auf Kassette oder CD gelesen bzw. in Blindenschrift übertragen. Zusätzlich zu den Preisen erhielten
die Teilnehmer des Blindenschrift-Lesewettbewerbs auch eine Urkunde — neben der Normalschriftversion natürlich
auch eine Abschrift in Blindenschrift.

Die Jury setzte sich zusammen aus dem selbst blinden Reiner Unglaub, Sprecherzieher, Dr. Harald Parigger, Jugendbuchautor,
sowie Anette Pavkovic, Maria Hell und Daniela Ruß, die alle drei im
Arbeitskreis
Jugend des BBSB mitarbeiten, der
den Lesewettbewerb organisiert hatte.
In der Pause gab es natürlich auch etwas Leckeres zur Stärkung. Außerdem konnte eine kleine Ausstellung mit alten und neuen Schreib- und Rechengeräten für blinde Menschen besucht werden.
In Bayern leben derzeit 17114 blinde Menschen. Die Zahl der Sehbehinderten ist um ein Vielfaches höher. Etwa drei Viertel der Betroffenen sind älter als 60 Jahre, dennoch ist die Jugendarbeit im BBSB ein wichtiges Angebot. „Es ist uns ein besonderes Anliegen, als Selbsthilfeorganisation blinder und sehbehinderter Menschen in Bayern besonders auch die Belange von betroffenen Kindern und Jugendlichen und deren Eltern zu vertreten. Unser Angebot geht auch ausdrücklich auf ihre Bedürfnisse ein. Wir sind stolz auf das Engagement, das unser Jungendarbeitskreis bei der Vorbereitung dieser Veranstaltung bewiesen hat,“ lobte Christian Seuß, Landesgeschäftsführer des BBSB, am Ende der gelungenen Veranstaltung.
Elke Runte
Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.
Leitung Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising
Telefon (0 89) 5 59 88 - 1 72
Fax (0 89) 5 59 88 - 1 79
elke.runte@bbsb.org
www.bbsb.org