Titelblatt des Elternflyers "Das Besondere Kind": eine Puppe mit Augenbinde

Neue Broschüre des BBSB

Das Besondere Kind

Ein Rat­geber für Eltern blinder, seh­behinderter und mehrfach­behinderter Kinder
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Lange muss­ten Gestal­ter und Pro­gram­mierer warten, nun ist es so­weit:
Das Praxis­hand­buch für Web-Gestal­tung und grafi­sche Pro­gramm­ober­flächen „Barriere­freies Web­design“ steht end­lich in den Ver­kaufs­regalen.

Buchtitel "Barrierefreies Webdesign"

Der Leser findet in dem 390 Seiten starken Buch Grund­lagen und Hilfen zur Um­setzung der Barriere­freie-Infor­mations­technik-Ver­ord­nung (BITV). Eine bei­liegende CD ergänzt die im Buch ent­haltene Fülle von Gestal­tungs- und Pro­gram­mier­bei­spielen.

Die Autoren sind alle­samt an­erkannte Ex­per­ten für Barriere­frei­heit in Infor­mation und Kom­muni­kation. Unter der Leitung von  Jan Eric Hell­busch haben sie ein Standard­werk geschaf­fen, das auch IT-Ver­antwort­liche und Inter­net­redak­teure brennend inter­essieren dürfte. Die Ur­heber erhal­ten ledig­lich eine Umsatz­betei­ligung, wenn Käufer das  Buch über diesen Link bei amazon.de bestellen.

 

Pressemitteilung

München, im Februar 2005

Erfolg­reiche Wieder­eingliederung eines erblindeten Organisations­programmierers

„Herzlich will­kommen bei dem Spediteur für Möbel, Musik­instrumente, Umzugs­gut und sensible Güter“ — so steht es einleitend auf der Home­page der Spedition Kraus & Pabst in Lichten­fels. Weithin sind die Fahrz­euge der Firma an ihrer hervor­stechenden Lackierung mit einer Klavier­tastatur auf grün­weißer Grund­lage erkenn­bar. Am 1. März 1925 gegründet, hat sich das Unter­nehmen kontinuierlich weiter entwickelt. Die Kommunikation mit 35 Möbel­spediteuren, die den Service vor Ort (Montage, Zustellung, NN-Inkasso) beim Kunden erbringen, erfolgt heute aus­schließlich über Daten­aus­tausch.

Sollte es einmal Reklama­tionen geben, werden diese eben­falls im Online­verfahren erfasst. Kaum jemand glaubt, dass Josef Weiß, einer der Mit­entwickler dieses Ver­fahrens, blind ist. In seiner Tätig­keit programmiert er die not­wendigen Daten­bank­abfragen, die über das Inter­net dem Kunden auf dem Bild­schirm dar­gestellt werden. Neben diesem Projekt, in dem Herr Weiß noch mit einem sehenden Kollegen zusammen­arbeitet, kümmert er sich selbst­ständig um ein EDV-gestütztes Verfahren zur Schadens- und Versicherungs­abwicklung, das im Unter­nehmen selbst zum Einsatz kommt. Um selbst am Bild­schirm arbeiten zu können, verwendet er am stationären Computer und am Lap­top eine Braille­zeile, die den Bild­schirm­inhalt zeilen­weise in Punkt­schrift ausgibt. Ergänzt wird sie noch durch eine Sprach­ausgabe. „Wenn die Programme im Windows-Standard programmiert sind, kann ich genauso mit EDV arbeiten wie meine sehenden Kollegen“, freut sich Josef Weiß.

Dank­bar ist Josef Weiß, dass ihm die Firma Kraus & Pabst bereits im Februar 2002 die Wieder­einstellung zusagte unter der Voraus­setzung, dass er die Braille­schrift und die Windows-Ober­fläche beherrscht und mit der Programmier­sprache JAVA arbeiten kann. „Es ist uns als Arbeit­geber ein Anliegen, durch die Publikation der gelungenen Wieder­eingliederung anderen Betroffenen eine Perspektive auf­zuzeigen“, sagt Prokurist Gunder Stark, Leiter der Organisation und Daten­verarbeitung im Unter­nehmen.

Zwischen der Zusage und ihrer Ein­lösung sollten noch mehr als 14 Monate vergehen. In dieser Zeit befand sich Josef Weiß in einer beruf­lichen Rehabilitations­maßnahme im Berufs­förderungs­werk Würz­burg, das sich auf die berufliche Bildung von erwach­senen blinden und seh­behinderten Menschen spezialisiert hat. Dort wurde er im Lesen der Punkt­schrift „auf Tempo“ gebracht, lernte den Umgang mit Windows und arbeitete sich in die Programmier­sprache JAVA ein. Den Abschluss der stationären Bildungs­maßnahme bildete ein Praxis­beispiel, das die Firma Kraus & Pabst dem Berufs­förderungs­werk zur Verfügung stellte. Sie wurde noch um kleinere Schulungs­segmente am Arbeits­platz ergänzt, um auf Fragen ein­gehen zu können, die Josef Weiß erst nach der Arbeits­auf­nahme begegneten. „Das große Engage­ment des Teil­nehmers, verbunden mit der maß­geschneiderten BFW-Schulung ‚Berufliche Anpassung und Fort­bildung‘ (BAF) führte zum erfolg­reichen beruf­lichen Wieder­einstieg“, findet Manfred Gerlinger, Abteilungs­leiter Assess­ment im BFW Würzburg, lobende Worte für die aktive Mit­arbeit von Josef Weiß.

Eine große Hürde vor der Arbeits­aufnahme war die Anpassung der Programmier­sprache JAVA, die anfangs nicht auf der Braille­zeile in Punkt­schrift ausgegeben werden konnte. Ins­gesamt sechs Versuche mit unter­schiedlichen Programmen waren not­wendig, um mit Hilfe der Software­trainerin Andrea Meyer dieses Problem zu lösen. Bei Arbeits­aufnahme war Josef Weiß der erste bekannte Programmierer in Bayern, der mit JAVA arbeitete. „Trotz seiner Behinderung ist Josef Weiß in der Lage gewesen, nach intensivem Training das sehr komplexe Themen­gebiet JAVA umfassend zu bearbeiten“, berichtet Andrea Meyer über die Erfolge des absolvierten Trainings.

Josef Weiß an seinem Arbeitsplatz in der EDV-Abteilung der Spedition Kraus & Pabst zusammen mit Andreas Lehmann und Gunder Stark, Prokurist der Spedition Kraus & PabstAm Beginn der beruflichen Beschäftigung finanzierte die Bundes­versicherungs­anstalt als zuständiger Rehabilitations­träger über die Bildungs­maß­nahme im BFW Würzburg hinaus die komplette Arbeits­platz­ausstattung und gewährte einen Ein­gliederungs­zuschuss. „Es ist mehr als erfreulich, dass es die Firma Kraus & Pabst Herrn Weiß ermöglichte, sein Arbeits­verhältnis fort­zuführen“, sagt Werner Arnold, zuständiger Rehabilitations­berater der BfA.

Begleitet wurde der gesamte Prozess der beruflichen Wieder­eingliederung seit Herbst 2001 durch den Integrations­fachdienst für den Arbeits­agentur­bezirk Coburg, Berufs­begleitender Dienst für Blinde und Seh­behinderte des Bayerischen Blinden- und Seh­behinderten­bundes e.V. (BBSB). Fach­berater Andreas Leh­mann sorgte dafür, dass die Leistungen aller Beteiligten ziel­führend vernetzt wurden. „Die Wieder­eingliederung von Josef Weiß ist ein gelungenes Bei­spiel dafür, dass durch das ziel­gerichtete Zusammen­wirken von Arbeit­geber, Kosten­träger, Bildungs­träger und Integrations­fach­dienst auch in wirt­schaft­lich schwierigen Zeiten eine nach­haltige berufliche Integration möglich ist," freut sich Andreas Lehmann und ant­wortet auf die Frage, ob die Ein­gliederung von Josef Weiß nun ab­geschlossen ist: „Die Weiter­entwicklung der am Arbeits­platz verwendeten Soft­ware und auch die Inhalte der jeweiligen Projekte werden immer wieder neue An­passungen des Arbeits­platzes und die Ver­mittlung zusätz­licher Kennt­nisse erfordern.“

So ist es nicht verwunder­lich, dass Josef Weiß für die nächste Zeit mit Förderung des Integrations­amtes der Regierung von Ober­franken durch Frau Meyer weiter indivi­duell qualifiziert wird, um seinen Aufgaben auch zukünftig nach­gehen zu können. „Mit individuellen Hilfs­mitteln und Qualifika­tionen, die aus der Ausgleichs­abgabe finanziert werden, können fast alle Arbeits­plätze optimal auf die jeweiligen behinderungs­bedingten Bedürf­nisse angepasst werden“, beschreibt Manfred Bomball, zuständiger Sach­bearbeiter für begleitende Hilfen im Arbeits- und Berufs­leben des Integrations­amtes der Regierung von Ober­franken, die Hilfen, die allen Arbeit­gebern zur Verfügung stehen, die behinderte Menschen beschäf­tigen.

Autor: Andreas Lehmann

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.
Andreas Lehmann
Fach­berater im Integrations­fachdienst für den Arbeits­agentur­bezirk Coburg
Berufs­begleitender Dienst für Blinde und Seh­behinderte
Danziger Straße 8
97209 Veits­höchheim
Telefon (09 31) 9 87 23
Telefax (09 31) 9 77 23
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Elke Runte
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